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Arbeitsmarktpolitik

Warum Österreich bei älteren Arbeitnehmer:innen zurückfällt

Die Arbeitslosenquote sagt nicht alles. Viel entscheidender für unsere Systemfragen ist die Beschäftigungsquote, also wie viele Menschen einer Altersgruppe überhaupt am Arbeitsmarkt teilnehmen. Bei den 55- bis 64-Jährigen schneidet Österreich im internationalen Vergleich schwach ab.

Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen im Vergleich:

ÖsterreichEU-SchnittDeutschland
58,8 %65,4 %75,2 %

Die Menschen gehen vor 65 in Pension, weil sie es einfach können, nicht weil sie müssen, oft über großzügige Frühpensionsmodelle. Wer die Beschäftigungsquote Älterer erhöhen will, kommt um deren Einschränkung nicht umher. Genau das passiert bei der Korridorpension, deren Antrittsalter ab 2026 auf 63 Jahre und 42 Versicherungsjahre steigt, und mit der neuen Teilpension.

Sanktionen für Unternehmen lösen das Problem nicht

Der Vorwurf, Betriebe würden Ältere durch günstigere Jüngere ersetzen, hält einem Realitätscheck kaum stand. In vielen Branchen fehlt schlichtweg der Nachwuchs dafür. Auch die Befreiung von Lohnnebenkosten hat kaum Wirkung gezeigt, eine Evaluierung des Dachverbands der Sozialversicherungsträger konnte keinen Effekt auf die Beschäftigung Älterer nachweisen. Unternehmen zu sanktionieren ist wenig zielführend, wenn das System dahinter nicht funktioniert.

Gesundheit früher angehen statt Drehtüreffekt verwalten

Fast ein Drittel der Arbeitssuchenden gibt gesundheitliche Einschränkungen an, bei Älteren und Langzeitarbeitslosen ist der Anteil noch höher. Statt gezielter Rehabilitation und Umschulung werden viele im Kreis geschickt, zwischen AMS, Pensionsversicherung und Krankenkasse fühlt sich niemand zuständig. Drei Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm müssen deshalb rasch kommen:

  • Reform des Rehageldes im Hinblick auf regelmäßige Neubeurteilungen und Umschulungsmöglichkeiten
  • Teilarbeitsfähigkeit, damit flexible Modelle zwischen Erwerbstätigkeit und Schonung langfristige Invaliditätspensionen vermeiden
  • Einheitliche Begutachtungsstelle statt Hin- und Herschicken zwischen PVA, Krankenversicherung und AMS

Qualifizierung muss dort ankommen, wo sie gebraucht wird

Die Bildungskarenz war teuer und ineffektiv. Eine WIFO-Studie zeigt, dass vor allem Hochqualifizierte und Gutverdienende sie genutzt haben, mehr als die Hälfte der 13.727 Bezieher:innen im Jahr 2021 hatte höhere Schulbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Ihre Abschaffung war eine notwendige Konsequenz aus jahrelanger Fehlentwicklung. Statt Fehlanreize zu finanzieren, investieren wir in echte Höherqualifizierung. Die reformierte Bildungskarenz richtet sich klar an Geringqualifizierte, verlangt Leistungsnachweise und bindet die Arbeitgeber ein.

Mehr Arbeit muss sich auch auszahlen

Mit einer Reform des Zuverdiensts beim Arbeitslosengeld stellen wir sicher, dass Menschen schneller wieder in eine volle Beschäftigung kommen. Dasselbe Prinzip gilt beim Arbeitsausmaß. Der Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit lohnt sich in Österreich oft kaum, weil die Steuerprogression viele zusätzliche Arbeitsstunden unattraktiv macht. Soziale Leistungen müssen so ausgestaltet werden, dass sich ein höheres Erwerbsausmaß finanziell immer lohnt.